Ihr Lieben,
ein paar aufregende Wochen liegen hinter mir und es gibt einiges zu berichten.
Mitte Juli konnte ich also Pätrisch in Kanada begrüßen. Endlich Urlaub! Nach einem lustigen Konzertabend am Ankunftstag stand ein Tag High-Speed-Sightseeing in Toronto auf dem Programm. Inklusive Besuch im besten Plattenladen der Stadt, Kostümierungsaktionen in Kensington Market (DAS alternative Viertel in Toronto), heldenhafte Fahrstuhlbefahrung des CN Towers und Gewöhnung an die beiden wichtigsten Getränke der nächsten 3 Wochen: Kaffee und Bier. Pätrisch gefiel sich in seiner Rohle als Asiate und fotografierte alles und jeden aus mindestens zwei Winkeln und dann noch gespiegelt in einer der vielen Glasfassaden in Downtown. Aber das war natürlich richtig so und schließlich sind dabei ein paar richtig klasse Aufnahmen entstanden. Abgeschlossen wurde der Abend mit nordamerikanischer Hausmannskost in einer Kneipe mit eigener Brauerei: Hamburger mit Pommes und Bier, ähh Salat als nahrhafter Beilage.
Am nächsten Morgen ging es per Flieger nach Halifax, der größten Stadt in Nova Scotia. Nach dem Empfang des Leihwagens folgte der Aufbau unserer Zelte auf dem örtlichen Zeltplatz und das Anlegen von Proviant- und Ausrüstungsvoräten für die nächsten Wochen. Um es auf den Punkt zu bringen: Gaskartuschen, frisches Obst und Gemüse, Müsliriegel, Tütensuppen.
Hauptattraktion von Halifax ist die alte Zitadelle, welche eigentlich um 18.00 Uhr ihre Pforten für Besucher schließt. Umso größer war die Freude, als beim Erreichen des Haupteingangs um 20.00 Uhr Leute vor dem Tor warteten. Eine angekündigte "Geistergeschichten-Tour" war der Grund und diese hatte nunmher zwei weitere Teilnehmer. Wahnsinn, haben wir uns gefürchtet in den Katakomben...
Nach einer von Albträumen geplagten Nacht stand die Fahrt nach Sydney, dem Ablegeort der Fähre nach Neufundland, auf dem Programm. Somit verpassten wir das an diesem Abend in Halifax stattfindende Konzert der Rockformation KISS, aber die Überfahrt war gebucht und nicht zu verschieben. Unterwegs gab es beim Besuch im Museum der Alexander-Bell-Gedänkstätte eine Prise Technikgeschichte, schließlich sollte der Punkt "Kultur" in diesem Urlaub nicht zu kurz kommen. Ach ja, Herr Bell gilt als einer der Mit-Erfinder des modernen Telefons und war sonst auch noch Pionier der lautsprachlich orienierten
Taubstummenlehre und Entwickler im Bereich Tragflächenboote. Ein echtes Multitalent eben. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt unserer Reise entdeckten Pätrisch und ich eine Leidenschaft, die bis zum Ende des Urlaubs anhalten sollte: der ausgiebige Besuch aller auffindbaren Geschenk- und Andenkenshops!
Die mehrstündige Überfahrt nach Neufundland gestaltete sich zunächst mehr als unspektakulär, wurde dann aber durch einen mit Keyboard und Gitarre bewaffneten Alleinunterhalter aufgewertet (auf Knopfdruck wurde das Keyboard zum Schlagzeug, zur Begleitgitarre und .... zum Begleitkeyboard) und fand schließlich ihren Höhepunkt in der Geschenkübergabe durch Pätrisch. Es war nämlich der 19.07., 0.01 Uhr und ich hatte urplötzlich Geburtstag. Vielen Dank nochmal! Irgendwann nach Mitternacht legten wir im Hafen in Port aux Basques an, verließen die Fähre mit unserem KIA und errichten den ersten Zeltplatz. Da uns Neufundland mit super Wetter (Regen...) empfing und wir gegen 3.00 Uhr keine Lust mehr auf Zeltaufbau hatten, entschieden wir uns für eine kurze Nacht im Auto.
Endlich Neufundland! Schon auf den ersten Kilometern begeisterten uns die rauhe Natur, die schroffen Felsen und die grünen Wälder. Alles wurde umspielt von einem mystischen Nebel und vieles erinnerte mich an Neuseeland. Nach einem kombinierten Kaffee- und Tankstop war der Gros Morne Nationalpark, das erste große Ziel der Reise, erreicht.
Schnell waren die Zelte aufgebaut und trotz Regens und noch anhaltender Müdigkeit die erste Tageswanderung zu einem Wasserfall beschlossen. Den Wasserfall konnten wir nach einer einstündigen Tour bewundern, den Höhepunkt bot auf dem Rückweg aber das Erblicken unseres ersten Elches. Genauer gesagt handelte es sich um eine Elchkuh mit einem Jungen. Die standen da seelenruhig 50m von uns entfernt und es kam die Frage auf, wer hier wen bekloppter anstiert.
Nach einem kurzen Besuch der sogenannten Tabelelands, einer der ältesten Gebirgeformationen der Erde, ging es ins Besucherzentrum des Nationalparks, wo eine Klassenarbeit zum Thema "Umgang mit Kompass und Karte" auf dem Programm stand. Schließlich wollten wir am nächsten Tag zum Höhepunkt des Urlaubs aufbrechen, der Long Range Traverse, einer mehrtägigen Wanderung durch unmarkiertes Gelände im Hochland des Nationalparks. Und dazu sind Kenntnisse im Umgang mit Kompass und Karte nachzuweisen, ansonsten lässt einen der Ranger da nicht rein. Und obwohl wir Beide wussten, wie man einen Kompass bedient, waren die zu beantwortenden Fragen dann doch detaillierter als gedacht. Zumal die englischen Fachbegriffe die ganze Sache auch nicht gerade erleichterten. Am Ende war der Ranger dann doch zufrieden, wir erhielten einen Notfallsender (falls doch eine Rettungstruppe losgeschickt werden muss, wenn man sich nach ein paar Tagen nicht zurückmeldet) und wir konnten beginnen, unsere Taschen zu packen.
Um zum Ausgangspunkt der Wanderung am Ende des Western Brook Pond zu gelangen, musste man mit einem Ausflugsboot eine einstündige Bootsfahrt unternehmen. Sehr ungläubig waren dabei die Blicke der "normalen" Touristen, wenn man zunächst mit einem vergleichweise großen Rucksack des Boot besteigt, um es nach der Hälfte der Fahrt im Nirgendwo wieder zu verlassen. Aber es gab auch Applaus und aufmunternde Worte, so dass einem erneut bewusst wurde, dass die nächsten 35km etwas besonderes sein werden. Ein Gefühl, dass die folgenden Tage immer wieder wie ein Schauer über unsere Rücken huschen sollte.
Die ersten 6km sollten auch schon die schwersten werden: Ausstieg aus der Schlucht, Überwindung eines Höhenunterschieds von über 500m, Orientierung gab zwischen dichtem Gestrüp und Felswänden nur ein ab und an sichtbares ausgetrocknetes Flußbett. Nach dreieinhalb Stunden hatten wir es geschafft und wurden mit einen atemberaubenden Ausblick über die Schlucht und den Pond belohnt.
Oben angekommen trafen wir auf weitere Wanderer, die sich allerdings zwischenzeitlich verlaufen hatten, auf irgendeinem Felsvorsprung in einer Sackgasse landeten und am Ende über 5 Stunden benötigten. Somit hatten wir trotz Zweifel und einiger Unsicherheit auf Anhieb den richtigen "Weg" gefunden. Leider konnten wir den Ausblick nicht lange geniessen, denn bis zur Campsite waren es noch 5km. Weiter ging es über moorige Wiesen und felsige Hügel, vorbei an malerischen Bergseen, über Bäche und kleine Flüße. Die Stimmung wurde nur durch unzählige Moskitos und Blackflies getrübt, die uns zwangen, lange Kleidung und Netze über unserem Köpfen zu tragen.
Am nächsten Morgen ging es frühzeitig weiter und sobald es etwas wärmer wurde waren auch die Fliegen wieder da, um uns mächtig zu zerbeißen. Wir erreichten gegen Nachmittag ziemlich erschöpft die nächste Campsite und verbrachten den Rest des Tages dösend an dem wohl ruhigsten Ort, an dem ich jemals war. Der letzte Tagesabschnitt begann im Nebel, so dass noch mehr Kompassarbeit notwendig war. Wir wanderten mit einem Vater-Sohn-Paar aus Kalifornien und pünktlich zum nächsten Highlight verzog sich der Nebel. Wir standen oberhalb des Ten Mile Ponds, zu seiner Linken erhob sich der Gros Morne Mountain und am Horizont standen Karibus auf einem Felsen. Einfach klasse! Wir pirschten uns etwas näher an die Herde heran, um bessere Fotos machen zu können und genossen mehrere Minuten den Anblick dieser Tiere.
Danach folgte ein steiler Abtieg hinab ins Tal und nach weiteren 2 Stunden Wanderung über Schotterhaufen und mit Brettern befestigte Wege erblickten wir endlich den Parkplatz, auf dem wir 3 Tage zuvor das Auto abgestellt hatten. Erschöpft aber unheimlich glücklich und beeindruckt vom Gesehenen gönnten wir uns einen Müsliriegel. :-)
Und wenn ihr wissen wollt, wie es weiter geht, dann wünscht mir Glück, dass ich die nächsten Tage dazu komme, wieder etwas zu schreiben. Jetzt steht nämlich erstmal wieder arbeiten auf dem Programm...
4 Kommentare:
testkommentar
Ja, ich bin gespannt wie's weiter geht! Ich werde dir bei Gelegenheit mal mein Reisetagebuch zukommen lassen.
Liebe Grüße Justin Office
...alle die nicht warten wollen wie's weiter geht und jetzt schon vor Neugier platzen: ich nehm schon mal das Ende der spannenden Reise vorweg:
Zum Schluss haben die beiden heiteren Protagonisten noch ihre knapp 3 Wochen ersehnten Icebreaker Shirts bekommen.
Ende gut, alles gut!
Sehr schöne Eindrücke! Viel Efolg beim Schaffen und Freuden mit weiteren (Alltags-)abenteuern! Gruß aus FFM, Georg.
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