Sonntag, 30. August 2009

Urlaub Teil 3

Ihr Lieben,
der Besuch der Vikingersiedlung in L´anse aux Meadows bedeutete geographisch gesehen den Wendepunkt unserer Reise. Ab jetzt sollte es also wieder Richtung Süden gehen. Einen Ausflug nach Labrador ersparten wir uns aus Geld- und Zeitgründen. Es warteten einfach noch zuviele Souvenirshops auf uns...
Auf der Rückfahrt stoppten wir an allen potentiellen Fotomotiven, die wir hinzu hatten sausen lassen und übernachteten noch einmal im Gros Morne National Park. Die Stellplätze auf dem Zeltplatz waren durch Bäume und Hecken voneinander getrennt und hier und da schimmerten am Abend Lagerfeuer hindurch. Da es auch noch regnete, saßen wir im Auto und hörten im Radio eine Wunschsendung der ganz besonderen Art. Das Thema war "Dieser Song soll auf meiner Beerdigung laufen" und da die Musik sehr abwechslungsreich und alles andere als depressiv war (es lief Swing, Folk, Pop und Rock), entstand zusammen mit den Feuern, der Dunkelheit und dem Regen ein sehr morbides, schwarzhumoriges Ambiente.

Ein weiteres musikalisches Highlight sollte der Pätrisch am nächsten Tag abliefern. Da wir seit der Abfahrt in Halifax bis auf wenige Ausnahmen entweder "Radio Neufundland" mit knackiger Countrymusik oder meine Geburtstags-CD hörten (die letzte Supercontinent-Platte "Vaalbara" wird Euch sicher allen ein Begriff sein...Vielen Dank nochmal, Pätrisch!), war es an der Zeit, für Abwechslung zu sorgen. Und kein Ort eignet sicher dazu besser, als eine Tankstelle im Süden von Neufundland. Von da an begleitete uns nämlich die Hip Hop Formation Outkast und sorgte für sehr viele stimmungsvolle, ja lustige Momente...jadijadijadija!


Am Hafen angekommen, erfuhren wir, dass die Fähre zurück nach Nova Scotia "nur" 6 Stunden verspätet ablegen würde. Also vertrieben wir uns die Zeit an zwei Computern, die uns den Zugang zum Internet in Analoggeschwindigkeit ermöglichten, was die Zeit wie im Flug vergehen ließ. Die während eines Telefonats mit meinen Eltern gewonnene Erkenntnis, den Geburtstag meiner Mutter vergessen zu haben, rundete die gute Stimmung ab. Also ab in den KIA und vorschlafen, schließlich war abzusehen, dass wir erst gegen 2 Uhr ankommen und danach den Rest der Nacht wieder im Auto verbringen werden.

In Nova Scotia bogen wir dann auf den sogenannten "Cabot Trail" ab, einer weltberühmten Panormastraße durch den Cape-Breton-National-Park, von der ich allerdings noch nie zuvor etwas gehört hatte. Leider waren wir die folgenden zwei Tage von Nebel umgeben, so dass atemberaubenden Aussichten nicht ganz so gut zur Geltung kamen. 

Wie so oft waren wir in Lage, das Beste aus der Situation zu machen und gute Stimmung zu verbreiten:
Essen erraten:
1.) Leckerer Blutwurst-Ring von der Konsum-Fleischerei
2.) Leckerer glasierter Schokoladen-Donut
3.) ...
Die Lösung ist im Bild versteckt :-)


Einfach mal einen erbärmlichen Outdoor-Laden als Kostümverleih betrachten und sich als "Der Mörder mit dem Holzfällerhemd" verkleiden.


Alte Freunde besuchen, die in ihrem neuen Job eine Passion gefunden haben.
Sich wundern, warum dort ein Unimog aus Calw mit zerkratztem und somit doch eigentlich ungültigem Kennzeichen rumfährt. Wenn das der TÜV sieht!

Aber natürlich gab es auch wieder Elche zu beobachten, urige Wälder zu durchwandern sowie am Abend einen herrlichen Zeltplatz mit Meeresblick und einer Kombination aus Sonnenuntergang und Gewitter am Horizont.

Zudem wurde tags darauf das Thema "Hummer essen" abgehakt. Guten Appetit! Und es folgte noch ein Sonnenuntergang, diesmal aber absolut ohne Wolken, aber mit unzähligen Mücken...
In Halifax passierte nicht viel, wir gaben das Auto zurück, aßen am Flughafen alle unsere Essensreste und sprangen ohne Umschweife per Flieger nach Montreal. Im Bus vom Flughafen in die City erfuhren wir von einem großen, einwöchigen Jazz-Festival, dass wohl gerade begonnen hatte. In der Innenstadt angekommen war das Hostel schnell gefunden, das Gepäck abgestellt und das Deo für den Sprung ins Nachtleben 
eilig aufgetragen. Zunächst mussten wir Essen fassen und entschieden uns für eine Pizza-Bude. Sämtliche Flirtversuche mit der netten Dame an der Kasse wurden durch die Frage, ob uns beiden Typen denn das Festival auf der anderen Straßenseite (dort lief schlechter Techno) gefallen würde, zunichte gemacht. Festival? "Na die Gay-Parade!" Nö, gefällt uns nicht! Und ein Pärchen sind wir auch nicht!!! Von da an hieß es, auf der Straße in die andere Richtung gehen, schließlich wollten wir endlich Jazz.

Richtigen Jazz gab es dann zwar auch nicht, denn das Festival hieß "Les Franco Folies de Montreal". Dabei spielen jedes Jahr auf mehreren großen Bühnen unzählige französischsprachige Künstler aller Musikrichtungen. Die Innenstadt war also voll mit Menschen, wir bekamen Chanson, Pop, Weltmusik und Rock zu hören, konnten im liberalen Quebec bis 23 Uhr im "normalen" Laden Bier kaufen und halbwegs in aller Öffentlichkeit trinken (grüßt mir mal einer den "Schönsten " in der Lützner Straße?!). Was für ein klasse Sommerabend! Und dem Abend folgte eine Nacht im "Foufoenes Electriques", DEM Konzert- und Discoladen der Stadt. Solltet ihr mal in Montreal sein, dann dort hingehen.


Als Europäer fühlten wir uns beim ersten Song, den wir zu hören bekamen natürlich wie zu Hause: Spice Girls "Wannabe". Nach einer halben Stunde überwiegend elektronischer Mucke kam dann der Hip Hop-Abschnitt. Und mit Hilfe unzähliger Outkast-CD-Durchläufe waren wir bestens darauf eingestellt. Sollte Euch auf einem Bild ein Typ mit schwarzem Basecap und schwarzem T-Shirt (weißer Aufdruck) auffallen, der genervt dreinblickt, dann kann es daran liegen, dass er genervt ist... Wir waren einfach viel zu gut drauf, aber irgendwie hat der das nicht so gesehen. Gegen 3 Uhr wurden alle Gäste rausgekehrt, dann kann ich mich noch an ein weiteres Stück Pizza erinnern und am Computer im Hostel belustigten wir uns dank You Tube noch mit Elsterglanz.


Wenn man im Hellen ins Bett geht und im Hellen wieder aufwacht, dann bedeutet das, die Nacht, oder besser der Morgen, war kurz. Heute also Stadtwanderung. Im Gegensatz zu so manch anderer nordamerikanischer Metropole hat Montreal eine Altstadt zu bieten, die den Namen auch halbwegs verdient. Über Kopfsteinpflaster kann man durch enge Gassen schlendern und im Straßencafe das Treiben diverser Künstler beobachten. 




Hier eine Galerie, dort eine Kathedrale, das EXPO 67 Gelände und das Olympiastadion von 1976, Montreal hat viel zu bieten, was man zu Fuß oder per Metro erkunden kann. Einen wunderbaren Blick über die Stadt hat man schließlich vom, wie sollte es anders sein, Mont-Royal.



Nach einer nächtlichen 8h-Busfahrt zurück nach Toronto und einem weiteren Tag Sightseeing inkl. dem Besuch von Toronto Island bildete ein Ausflug zu den Niagara Falls den Abschluß von Pätrischs 3 Wochen in Kanada. Schön war´s!

Vielen Dank für die vielen Kommentare, die Berichte scheinen ja zu gefallen und das freut mich sehr. Weiter so! Wenn alles klar geht, gibt es demnächst dann mal wieder etwas aus dem Ressort "Sport" zu berichten.

Vermisse Euch alle, liebe Grüße und bis bald

Ronny

Donnerstag, 20. August 2009

Urlaub Teil 2

Ihr Lieben,
ohne große Umschweife geht es weiter mit der Berichterstattung.
Nach der Hiking Tour entschieden wir, noch am selben Tag einige Kilometer Richtung Norden hinter uns zu bringen. Gestärkt durch Kaffee, Cola und Kekse von der erstbesten Tankstelle erreichten wir Port aux Choix, ein kleines Städtchen direkt an der Küste des Sankt-Lorenz-Golfs. Einen richtigen Campingplatz suchten wir zwar vergeblich, dafür konnten wir unsere Zelte auf einem RV-Park aufschlagen. RV steht für "Recreation Vehicle" (Erholungsfahrzeug ?), wobei es sich um eine Art Riesen-Wohnmobil handelt. Oder sollte man besser sagen Wohnbus?!
Jedenfalls standen ca. 15 dieser Ungetüme in Reih und Glied und hatten ihre Erker ausgefahren. Die Besatzung ist hierbei immer ähnlich: pensioniertes Ehepaar aus Texas, New Jersey, Florida o.ä., um die 60 Jahre, ein Hund und wahlweise ein oder zwei Katzen, die hinter der Frontscheibe lümmeln. Die Krönung ist aber, dass jede dieser fahrenden Datschen noch ein Auto hinter sich her zieht.

Naja, die erste Dusche nach drei Tagen tat besonders gut und zur Krönung gab es noch einen schönen Sonnenuntergang. Entlang der Küste, durch kleine Städtchen und Siedlungen, in denen die Menschen neben dem Tourismus noch größtenteils vom Fischfang leben, ging es am nächsten Tag weiter zum nördlichsten Zipfel von Neufundland. Immer wieder mussten wir stoppen, um diverse Fotomotive einzufangen. Pätrisch war in seinem Element, na gut, ich auch. Hier ein alter Schiffsfriedhof, dort ein lustiges Schild am Straßenrand und schließlich der erste Eisberg am Horizont.



Dummerweise gibt es auch einen Grund, warum dort Mitte Juli immer noch Eisberge rumtreiben. Zwar verwöhnte uns auch in L´anse aux Meadows der Wettergott mit strahlendem Sonnenschein, allerdings ging es ab 18.00 Uhr rapide abwärts mit der Temperatur. Demzufolge gab es eine kuschelige Nacht bei 8 Grad im Zelt und der Erkenntnis, dass mein geliebter alter Schlafsack nach 15 Jahren wohl einen Nachfolger benötigt. Neben der beeindruckenden Natur war auch sonst einiges los in Neufundland. Abends fiel mir eine Dose Bier aus der Hand und landete auf einem spitzen Stein, woraufhin ich versuchte, sie mit Mund-zu-Mund-Beatmung wiederzubeleben. Leider ohne Erfolg...
L´anse aux Meadows gelangte durch die Ausgrabungen des Ehepaares Ingstad einige Berühmtheit. Anne-Stine und Helge fanden in den 60ern vor Ort Reste einer Siedlung und konnten belegen, dass es sich um das erste Vikinger-Dorf in Nordamerika handelt. Der Nachweis, dass Europäer schon 500 Jahre vor Columbus Amerika betraten, war erbracht. Der Ort selbst, immerhin Weltkulturerbe, ist äußerlich relativ unspektakulär. Neben den Nachbauten einiger Vikingerhäuser findet man eigentlich nur grüne Wiesen mit einigen Infotafeln davor. Dafür kann man sich in den Nachbauten toll verkleiden und böse Grimassen schneiden. Dennoch, irgendwie hat dieser Zipfel der Erde etwas Magisches an sich.


Infos zur Rückreise, zu kulinarischen Abenteuern, musikalischen Experimenten und diversen Tanzeskapaden gibt es in Teil 3...

Montag, 10. August 2009

Urlaub Teil 1

Ihr Lieben,

ein paar aufregende Wochen liegen hinter mir und es gibt einiges zu berichten.
Mitte Juli konnte ich also Pätrisch in Kanada begrüßen. Endlich Urlaub! Nach einem lustigen Konzertabend am Ankunftstag stand ein Tag High-Speed-Sightseeing in Toronto auf dem Programm. Inklusive Besuch im besten Plattenladen der Stadt, Kostümierungsaktionen in Kensington Market (DAS alternative Viertel in Toronto), heldenhafte Fahrstuhlbefahrung des CN Towers und Gewöhnung an die beiden wichtigsten Getränke der nächsten 3 Wochen: Kaffee und Bier. Pätrisch gefiel sich in seiner Rohle als Asiate und fotografierte alles und jeden aus mindestens zwei Winkeln und dann noch gespiegelt in einer der vielen Glasfassaden in Downtown. Aber das war natürlich richtig so und schließlich sind dabei ein paar richtig klasse Aufnahmen entstanden. Abgeschlossen wurde der Abend mit nordamerikanischer Hausmannskost in einer Kneipe mit eigener Brauerei: Hamburger mit Pommes und Bier, ähh Salat als nahrhafter Beilage.

Am nächsten Morgen ging es per Flieger nach Halifax, der größten Stadt in Nova Scotia. Nach dem Empfang des Leihwagens folgte der Aufbau unserer Zelte auf dem örtlichen Zeltplatz und das Anlegen von Proviant- und Ausrüstungsvoräten für die nächsten Wochen. Um es auf den Punkt zu bringen: Gaskartuschen, frisches Obst und Gemüse, Müsliriegel, Tütensuppen.

Hauptattraktion von Halifax ist die alte Zitadelle, welche eigentlich um 18.00 Uhr ihre Pforten für Besucher schließt. Umso größer war die Freude, als beim Erreichen des Haupteingangs um 20.00 Uhr Leute vor dem Tor warteten. Eine angekündigte "Geistergeschichten-Tour" war der Grund und diese hatte nunmher zwei weitere Teilnehmer. Wahnsinn, haben wir uns gefürchtet in den Katakomben...

Nach einer von Albträumen geplagten Nacht stand die Fahrt nach Sydney, dem Ablegeort der Fähre nach Neufundland, auf dem Programm. Somit verpassten wir das an diesem Abend in Halifax stattfindende Konzert der Rockformation KISS, aber die Überfahrt war gebucht und nicht zu verschieben. Unterwegs gab es beim Besuch im Museum der Alexander-Bell-Gedänkstätte eine Prise Technikgeschichte, schließlich sollte der Punkt "Kultur" in diesem Urlaub nicht zu kurz kommen. Ach ja, Herr Bell gilt als einer der Mit-Erfinder des modernen Telefons und war sonst auch noch Pionier der lautsprachlich orienierten
Taubstummenlehre und Entwickler im Bereich Tragflächenboote. Ein echtes Multitalent eben. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt unserer Reise entdeckten Pätrisch und ich eine Leidenschaft, die bis zum Ende des Urlaubs anhalten sollte: der ausgiebige Besuch aller auffindbaren Geschenk- und Andenkenshops!

Die mehrstündige Überfahrt nach Neufundland gestaltete sich zunächst mehr als unspektakulär, wurde dann aber durch einen mit Keyboard und Gitarre bewaffneten Alleinunterhalter aufgewertet (auf Knopfdruck wurde das Keyboard zum Schlagzeug, zur Begleitgitarre und .... zum Begleitkeyboard) und fand schließlich ihren Höhepunkt in der Geschenkübergabe durch Pätrisch. Es war nämlich der 19.07., 0.01 Uhr und ich hatte urplötzlich Geburtstag. Vielen Dank nochmal! Irgendwann nach Mitternacht legten wir im Hafen in Port aux Basques an, verließen die Fähre mit unserem KIA und errichten den ersten Zeltplatz. Da uns Neufundland mit super Wetter (Regen...) empfing und wir gegen 3.00 Uhr keine Lust mehr auf Zeltaufbau hatten, entschieden wir uns für eine kurze Nacht im Auto.

Endlich Neufundland! Schon auf den ersten Kilometern begeisterten uns die rauhe Natur, die schroffen Felsen und die grünen Wälder. Alles wurde umspielt von einem mystischen Nebel und vieles erinnerte mich an Neuseeland. Nach einem kombinierten Kaffee- und Tankstop war der Gros Morne Nationalpark, das erste große Ziel der Reise, erreicht.



Schnell waren die Zelte aufgebaut und trotz Regens und noch anhaltender Müdigkeit die erste Tageswanderung zu einem Wasserfall beschlossen. Den Wasserfall konnten wir nach einer einstündigen Tour bewundern, den Höhepunkt bot auf dem Rückweg aber das Erblicken unseres ersten Elches. Genauer gesagt handelte es sich um eine Elchkuh mit einem Jungen. Die standen da seelenruhig 50m von uns entfernt und es kam die Frage auf, wer hier wen bekloppter anstiert.


Nach einem kurzen Besuch der sogenannten Tabelelands, einer der ältesten Gebirgeformationen der Erde, ging es ins Besucherzentrum des Nationalparks, wo eine Klassenarbeit zum Thema "Umgang mit Kompass und Karte" auf dem Programm stand. Schließlich wollten wir am nächsten Tag zum Höhepunkt des Urlaubs aufbrechen, der Long Range Traverse, einer mehrtägigen Wanderung durch unmarkiertes Gelände im Hochland des Nationalparks. Und dazu sind Kenntnisse im Umgang mit Kompass und Karte nachzuweisen, ansonsten lässt einen der Ranger da nicht rein. Und obwohl wir Beide wussten, wie man einen Kompass bedient, waren die zu beantwortenden Fragen dann doch detaillierter als gedacht. Zumal die englischen Fachbegriffe die ganze Sache auch nicht gerade erleichterten. Am Ende war der Ranger dann doch zufrieden, wir erhielten einen Notfallsender (falls doch eine Rettungstruppe losgeschickt werden muss, wenn man sich nach ein paar Tagen nicht zurückmeldet) und wir konnten beginnen, unsere Taschen zu packen.

Um zum Ausgangspunkt der Wanderung am Ende des Western Brook Pond zu gelangen, musste man mit einem Ausflugsboot eine einstündige Bootsfahrt unternehmen. Sehr ungläubig waren dabei die Blicke der "normalen" Touristen, wenn man zunächst mit einem vergleichweise großen Rucksack des Boot besteigt, um es nach der Hälfte der Fahrt im Nirgendwo wieder zu verlassen. Aber es gab auch Applaus und aufmunternde Worte, so dass einem erneut bewusst wurde, dass die nächsten 35km etwas besonderes sein werden. Ein Gefühl, dass die folgenden Tage immer wieder wie ein Schauer über unsere Rücken huschen sollte.

Die ersten 6km sollten auch schon die schwersten werden: Ausstieg aus der Schlucht, Überwindung eines Höhenunterschieds von über 500m, Orientierung gab zwischen dichtem Gestrüp und Felswänden nur ein ab und an sichtbares ausgetrocknetes Flußbett. Nach dreieinhalb Stunden hatten wir es geschafft und wurden mit einen atemberaubenden Ausblick über die Schlucht und den Pond belohnt.

Oben angekommen trafen wir auf weitere Wanderer, die sich allerdings zwischenzeitlich verlaufen hatten, auf irgendeinem Felsvorsprung in einer Sackgasse landeten und am Ende über 5 Stunden benötigten. Somit hatten wir trotz Zweifel und einiger Unsicherheit auf Anhieb den richtigen "Weg" gefunden. Leider konnten wir den Ausblick nicht lange geniessen, denn bis zur Campsite waren es noch 5km. Weiter ging es über moorige Wiesen und felsige Hügel, vorbei an malerischen Bergseen, über Bäche und kleine Flüße. Die Stimmung wurde nur durch unzählige Moskitos und Blackflies getrübt, die uns zwangen, lange Kleidung und Netze über unserem Köpfen zu tragen.

Am nächsten Morgen ging es frühzeitig weiter und sobald es etwas wärmer wurde waren auch die Fliegen wieder da, um uns mächtig zu zerbeißen. Wir erreichten gegen Nachmittag ziemlich erschöpft die nächste Campsite und verbrachten den Rest des Tages dösend an dem wohl ruhigsten Ort, an dem ich jemals war. Der letzte Tagesabschnitt begann im Nebel, so dass noch mehr Kompassarbeit notwendig war. Wir wanderten mit einem Vater-Sohn-Paar aus Kalifornien und pünktlich zum nächsten Highlight verzog sich der Nebel. Wir standen oberhalb des Ten Mile Ponds, zu seiner Linken erhob sich der Gros Morne Mountain und am Horizont standen Karibus auf einem Felsen. Einfach klasse! Wir pirschten uns etwas näher an die Herde heran, um bessere Fotos machen zu können und genossen mehrere Minuten den Anblick dieser Tiere.

Danach folgte ein steiler Abtieg hinab ins Tal und nach weiteren 2 Stunden Wanderung über Schotterhaufen und mit Brettern befestigte Wege erblickten wir endlich den Parkplatz, auf dem wir 3 Tage zuvor das Auto abgestellt hatten. Erschöpft aber unheimlich glücklich und beeindruckt vom Gesehenen gönnten wir uns einen Müsliriegel. :-)

Und wenn ihr wissen wollt, wie es weiter geht, dann wünscht mir Glück, dass ich die nächsten Tage dazu komme, wieder etwas zu schreiben. Jetzt steht nämlich erstmal wieder arbeiten auf dem Programm...