Montag, 1. Juni 2009

Alte Geschichten...

Hier nochmal alle alten Blogeinträge:


12.03.2009 ##### Urlaub

Ihr Lieben,

ich habe lange nichts mehr von mir hören lassen und einige wissen auch schon warum. Eigentlich wollte ich schon vor einiger Zeit einen neuen Blog-Eintrag posten doch daraus wurde aus folgenden Gründen erstmal nichts. Vor drei Wochen stand am Freitag nach der Mittagspause mein Chef vor mir und sagte: "Tut mir sehr leid, aber das ist heute Dein letzter Tag." Häh, wie jetzt? Also das der Job nicht ewig dauern würde war mir ja klar, aber ein so schnelles Ende kam dann doch überraschend. Auf meine Frage hin, warum er das nicht schonmal ein bißchen eher hätte sagen können, bekam ich zur Antwort: "Naja, in der Vergangenheit haben einige Leute, denen mit 1 Woche Frist gekündigt wurde, die verbleibende Zeit dazu genutzt, nicht mehr ordentlich zu arbeiten und parallel Werkzeug usw. zu klauen." Damit war ich dann endgültig bedient, aber meine Unmutsäußerungen hinsichtlich dieses unfairen und geradezu arschlosen Verhaltens mir gegenüber hat auch niemanden interessiert. 

Dabei war wie gesagt nicht der Jobverlust an sich, sondern dessen Kurzfristigkeit die Sache, die mich richtig angek#+?& hat. Wie soll man da vernünftig planen. Also habe ich mich 3 Tage vor das Netz geklemmt und alle Optionen ausgelotet. Übers Wocheende einen neuen Job finden war natürlich aussichtslos. Somit blieb nur die zweite logische Variante übrig: ab in den Urlaub und das erste größere Ausflugsziel des Nordamerika-Aufenthalts erschlagen. Ziel: New York, Hinkommen: so billig wie möglich, Unterkunft: noch billiger! In der Kürze der Zeit waren allerdings keine erschwinglichen Flüge mehr zu bekommen, somit blieb nur die Alternative einer 11-stündigen Busfahrt übrig. Gebucht! Zudem bekam ich von Kati die Info über ein extrem günstiges Hostel in extrem guter Lage am Central Park mit extrem niedrigem Standard, sozusagen ein Platz zum Gepäck abstellen und schlafen. Aber so günstig kann man in Manhatten nirgendwo anders übernachten. Gebucht!

Über die 11h Busfahrt gibt es nichts berauschendes zu berichten, außer dass ich am Busbahnhof in Toronto zum ersten Mal echte Amish-People gesehen habe. Ihr wisst schon, das sind die sehr gläubigen Christen, die ein sehr einfaches Leben führen, in abgeschiedenen Siedlungen leben und zumeist nur Landwirtschaft betreiben. Und die diese schwarzen Kutschen fahren. Sehr interessant ist auch die Kleidung, die augenscheinlich schon über mehrere Generationen weitergeben wird. Tja, das Pärchen hatte wohl in Toronto zu tun oder war nur auf der Durchreise. 

Um 5.30 Uhr morgens stieg ich schließlich ganz schön übernächtigt, aber dafür mitten in Manhatten aus dem Bus. Oh, das Gebäude, vor dem ich stand, das kennste doch! Ehrfürchtig erkannte ich den Madison Square Garden, der sich vor mir auftürmte und der im Untertitel den bescheidenen Zusatz "The worlds most famous arena" trägt. Also hieß es als Sportfan erstmal runter auf die Knie und anbeten! 

Als das erledigt war, stellte sich einem natürlich die Frage, was man den nun so macht, morgens halb 6 in NY. Da der Himmel vollkommen klar war, entschloss ich mich, von Brooklyn aus eine vom morgendlichen Sonnenaufgang bestrahlte Manhatten-Skyline zu geniessen. Also ab in die Subway. Das Ergebnis könnt Ihr bei den Fotos sehen. Leider erkennt man nicht, dass es auch ein verdammt kalter Morgen war. Noch bevor ich den Rückweg nach Manhatten zu Fuß über die Brooklyn Bridge antrat, hatte ich deshalb schon den ersten halben Liter heißen Kaffee und diverse warme Donats und Kekse verdrückt. Es sollten noch einige Liter Kaffee an diesem Tag folgen...

Überhaupt sprechen die Fotos für sich, deshalb will ich da keine großen Tourbeschreibungen a la "Heute Mittag gab es Käsebrötchen, danach gings hoch aufs Empire State Building, halb 4 habe ich eine Tasse Kaffe getrunken ich mir dann noch den Central von der linken Seite aus angesehen" abgeben. Ich habe die besten rund 50 Bilder von über 800 Aufnahmen ausgewählt, um die ganze Bandbreite eines wohl typischen NY-Aufenthalts darzustellen. Am Ende war ich über eine Woche lang täglich von ca. 8.00-22.00 Uhr (was willst Du in einem 4-Mann-Zimmer auch anderes machen außer früh gehen und spät wiederkommen, wie gesagt, Gepäck abstellen und schlafen) unterwegs, habe etliche Kilometer zu Fuß oder mit der U-Bahn zurückgelegt und eigentlich alles gesehen, was ich wollte. 

New York hat sich mir einerseits wie erwartet, aber andererseits auch überraschend dargestellt: unheimlich vielfältig, in einigen Momenten sehr packend und vereinnahmend, natürlich auch abstoßend, zu dem sehr kompakt, anonym und warmherzig zugleich, ohne Ende komerziell und dennoch mit viel Charme und einigen tollen Plätzen.

Ansonsten geht alles seine Gang, ich mache hier und da bissl Sport und sehe auch schon den nächsten Job auf mich zukommen. In der Schwimmhalle teile ich mir die Bahnen mit zumeist asiatischen, portugisischen und polnischen Senioren, was mich ein bißchen an die Verhältnisse in der "Volksschwimmhalle West" erinnert. Also die Senioren, nicht die Nationalitäten. Hier sind die Bahnen schlauer- und glücklicherweise mit "Slow", "Medium" und "Fast" gekennzeichnet, so dass flüssiges schwimmen ohne große Kolisionsgefahr mit 75jährigen Seepferdchen möglich ist. Wenn sich die Asiaten in der Umkleide unterhalten, benötigt man manchmal Gehörschutz, was dann allerdings dazu führt, dass man die schönen portugisischen Volkslieder, vorgetragen unter der Dusche, nicht hört.

Letztens war ich wegen einer privaten Sache im deutschen Konsulat. Logischerweise sitzen da Deutsche hinter dem Schalter, was man eindeutig mitbekommt, wenn man im Warteraum sitzt und die Gespräche der der Besucher mit den Konsulatsangestellten mithört (schön war es dort, so richtig mit Nummer ziehen und aufgerufen werden). Deshalb kam mir die folgende beobachtete Szene sehr skurril vor. Ein Frau sitzt mit ihren beiden Söhnen im Warteraum und wie ich aus deren Gesprächen heraus hören konnte, handelte es sich offensichtlich um "echte Auswanderer". Jedenfalls wird die Nummer der Frau aufgerufen, sie geht zum Schalter und ... beginnt mit der Bediensteten englisch zu reden. Die wiederum beginnt etwas stockend zu antworten und ist sich sichtlich auch nicht sicher, was das jetzt soll und warum die nicht einfach deutsch redet. Spätestens jetzt hätte die Auswanderin merken müssen, dass sie mit einer Deutschen redet, denn der deutsche Dialekt war nicht zu verkennen. Aber nee, die redet weiter englisch. Keine Ahnung, ob die es wirklich nicht gemerkt hat, sich nicht sicher war oder aus Prinzip beim Englischen geblieben ist. Ich fand es jedenfalls ganz schön bescheuert, vor allem wenn das letztere der Fall gewesen wäre.

Und jetzt noch was für alle Freunde der gepflegten Rock und Roll-Unterhaltung. War kurz vor meinem NY-Ausflug noch bei Meshuggah (für alle, die es nicht kennen: es handelt sich rein musikalisch um eine Mischung aus Dampflok und Nähmaschine...). Alter Schwede (im wahrsten Sinne des Wortes), was für ein Konzert, was eine Wand! Unglaublich krasses und genaues Zusamenspiel, dazu kristallklarer Sound! Danke!

Schluß jetzt, siehe Fotos!

Liebe Grüße
Ronny


20.01.2009 ##### Blackout

Ihr Lieben... !

Damit hätten wir also schon fast drei Wochen des neuen Jahres geschafft. Ich hoffe, ihr habt alle einen guten Start gehabt und arbeitet tapfer an euren guten Vorsätzen. :-)

So wie es ausssieht, habt ihr in Europa wohl die schlimmste Zeit des Winters überstanden und es pegelt sich wieder bei "angenehmen" Temperaturen um den Gefrierpunkt ein. Endlich, ihr habt den Winter vielleicht schon geschafft! 

Endlich hat es hier heute auch mal wieder geschneit. Nach fast 5 Tagen ohne des Zeug von oben wurde mir schon ganz unheimlich. Obwohl wir in der letzten Woche wirklich sehr schönes Wetter hatten... vor allem schön kalt. Bei bis zu -20 Grad kann auch noch so viel Sonne scheinen, die Nasenhaare frieren ein, ob man will oder nicht.

Besonders interessant werden diese Temperaturen, wenn einfach mal der Strom ausfällt. So geschehen am vergangenen Donnerstag. Wir sitzen zu dritt vorm Fernseher und schauen Eishockey und plötzlich: Klack, Dunkelheit, Stille! Und kurz darauf ein einhelliges "What the fu%$ ???". Zum Glück eignen sich sich Handys auch auch Minitaschenlampe, so dass Kerzen schnell gefunden waren. Das zweitwichtigste war, dass Chris seine Freundin anruft, um zu erfahren, wie das Spiel ausgegangen ist. Schließlich standen nur noch 4 Minunten auf der Anzeige, die Toronto Maple Leafs lagen in Front und hatten die Möglichkeit, nach langer Zeit mal wieder zu gewinnen (was sie am Ende auch taten). 

Ein kurzer Gang zum Gartentor bestätigte die Vermutung, dass nicht nur unser Haus sondern mindestens die gesamte Straße betroffen war. Als schließlich der vierte Hausbewohner nach einer Weile nach Hause kam, wurde offensichtlich, dass der Blackout wohl doch größere Ausmaße angenommen hatte. Guy musste die U-Bahn mitten im Tunnel zwischen zwei Stationen verlassen und zu Fuß die Haltestelle erreichen. Naja dachte ich mir, im Bett ist es ja warm und Licht brauche ich auch keins zum schlafen. Und wenn doch, dann hab ich ja meine Taschenlampe. Am nächsten Morgen um 6 Uhr wurde ich schließlich von einem hell erleuchteten Haus geweckt.

Ein Blick in die Zeitung vom Samstag verriet, dass in einem Umspannwerk versehentlich die Sprinkleranlage angesprungen war und irgendeinen Raum kniehoch mit Wasser gefüllt hatte. Als Folge wurde vorsichtshalber der Strom für ganze Straßenzüge abgestellt. Am Ende waren ca. 250.000 Menschen (das wäre halb Leipzig!) betroffen, die bis zu 24 Stunden ohne Strom und z.T. auch ohne Heizung und Wasser auskommen mussten. Die ersatzweise für die U-Bahn eingesetzten Shuttle-Buse waren völlig überfüllt. Am Ende blieb aber alles ganz ruhig, keine Revolten und keine Plünderungen :-)! Für alle des Englischen mächtigen hier ein kleiner Pressetext inkl. Video. Die ersten beiden Interviewpartner sind absolut authentisch kanadisch... "I´m telling you man!"  :-)

Ob mit oder ohne Stromausfall ist das Thema "Öffentlicher Personennahverkehr" in Toronto eher ein leidiges. Und das hat auch nichts mit Lästern meinerseits oder ähnlichem zu tun. Liest man Blogs von anderen (Teilzeit-)Auswanderern, so bestätigen sich alle Beobachtungen. Die Straßenbahnen stammen alle aus den 70er/80er Jahren und haben durchaus fast nostalgischen Charakter. Seinen Haltewunsch muss man dem Fahrer mitteilen, indem man an einer Art Wäscheleine zieht, die durch den ganzen Waggon gespannt ist. Dann klingelts beim Fahrer und ein rotes Licht geht an. Bis vor einiger Zeit haben die Fahrer sogar noch selbst die Haltestellen angesagt, das macht jetzt aber eine freundliche, automatische Frauenstimme. Besonders klasse sind auch die Fahrscheine, die man vom Fahrer zum Zustieg bekommt. Es handelt sich um Papierschnipsel, die blöckeweise in einer Vorrichtung gehalten und vom Fahrer abgrissen werden. Dabei entstehen Einkerbungen am Rand des Schnipsels, anhand deren man irgendeine codierte Info ablesen kann. Ich habe noch nicht rausgefunden, was die Zahlen und Buchstaben an diesem Rand bedeuten, denke aber es hat was mit Zustiegszeit und -ort zu tun. Ist der Fahrer eine bestimmte Anzahl an Stationen oder eine bestimmte Zeit gefahren, muss er über ein Stellrädchen an der Vorrichtung die Einkerbungszacken verschieben. Also alles noch echte Handarbeit. Hat man keine Monats- oder Tageskarte wird bar bezahlt oder mit sogenannten Token, kleinen Münzen. Man wirft beides in einen Glasbehälter und bekommt den Schein vom Fahrer. Steigen richtig viele Leute ein, liegt es am Können und Geschick eines jeden Einzelnen, im Gedränge statt der geforderten $ 2,75 etwas weniger reinzuwerfen. Oder möglichst viele einzelne kleine Geldstücke, damit es laut klimmpert und der Fahrer nicht so genau hinschaut....

Nun, das alles hat ja noch einen gewissen Charme. So richtig blöd ist aber, dass es keinen richtigen Fahrplan gibt. An Abfahrtszeiten ist nicht zu denken, die würden sowieso nie eingehalten werden können, wenn eine Bahn erstmal durch Downtown fahren muss. Dort ist nämlich so viel Verkehr und irgendwo immer ein kleiner Stau. In der Folge wartet man manchmal ewig auf eine Bahn und reibt sich dann die Augen, das gleich drei Wagen auf einmal kommen. Die erste Bahn ist rappelvoll, die zweite halb und in der dritten sitzen 2 Mann. Selbiges gilt für die Buse. Ich habe keine Ahnung, ob es nur am vielen Verkehr liegt und/oder warum die das nicht in den Griff bekommen. Am Wetter kann es auch nicht liegen, in einem Blog beschreibt einer genaue diese Beobachtungen im Hochsommer.

Wie auch immer, das Leben hier hält fast jeden Tag eine kleine Besonderheit bereit. Ich werde also weiterhin Schmunzeln, wenn zwei entgegenkommende Bahnen auf gleicher Höhe anhalten und ein Fahrer dem anderen was zu essen reicht oder die beiden Fahrer gleich komplett die Bahn wechseln. Oder wenn es die Kassiererin trotz 10 Kunden in der Schlange immer noch schafft, nebenbei "Alice im Wunderland" zu lesen.... 

Das war es erstmal wieder von mir. Lasst was von Euch hören und bleibt gesund.

Ronny


02.01.2009 ##### Prosit

Ihr Lieben... !

Nach einer gehörigen Silvestersause und einem Tag ausnüchtern folgt heute auch meine Neujahrsansprache: "Also, Prosit Neujahr und alles Gute in 2009!". Ich hoffe, Ihr hattet alle einen schönen Abend und habt ordentlich gefeiert. 

Nach einigem Vorglühen waren wir hier in einer netten Disco. Am Einlass gabs ein heilloses Durcheinander, weil nicht klar war, wer am wichtigsten war und zuerst rein durfte: die, die im Internet Karten vorbestellt hatten; die, die auf der Gästeliste standen; die, die schon echte Tickets in der Hand hatten usw.. Kati und ich hatten irgendwie gar nichts, nur schon einen ganz schön im Kessel von dem ganzen Wein, den wir getrunken hatten hatten. Beste Voraussetzungen also, um an allen drei Schlangen vorbei gleich nach ganz vorne zu marschieren und die dicken Bären an der Eingangstür zu begrüßen. 

So ganz ohne Vorbereitung waren wir natürlich nicht da. Eine von Katis Sportkameradinnen hatte Karten gekauft, bzw. bezahlt und unsere Namen auf eine von den vielen Listen am Eingang schreiben lassen. Nachdem der Mob langsam gefrustet war und sich aus drei Schlangen ein dicker, schiebender Knäul gebildet hatte, standen wir dann endlich im Foyer. Unsere Namen tauchten auf und wir bekamen den begehrten Stempel. Da war es allerdings schon um 23:30 Uhr und wir wollten ja zu Mitternacht das Feuerwerk am CN Tower, bzw. überhaupt Feuerwerk sehen. Kurz gesagt: aus der Disse durften wir nicht raus, weil das Einlasschaos noch immer vonstatten ging, Feuerwerk gab es auch nicht, und den CN Tower haben wir auch nicht gesehen. Dafür war es dann aber trotzdem ganz nett mit brasilianischer Samba-Trommel-Kapelle usw..

Also, bleibt gesund im neuen Jahr und viel Spaß beim Gute Vorsätze einhalten!

Bis bald

Ronny


24.12.2009 ##### Claus

Ihr Lieben... !

Nach 12 Stunden Nachtschicht inkl. 87 Partien Solitär gegen Hr. ASUS kann ich Euch folgende frohe Nachricht kund tun: Es schneit! Und zwar seit ca. 16 Stunden! Endlich! White Christmas oder wie Rudi Carell (?) schon sang: "Wann wird´s mal wieder richtig Winter?!". 

Ich bin sozusagen in den Heiligen Abend reingeschneit. Ich weiß allerdings nicht mehr, wohin die hier den ganzen weißen Kram schieben sollen. Langsam wird es unheimlich und ich schaue den Einheimischen jetzt genauer in Gesicht... so, wie man eine Stewardess (?) beobachtet, wenn es im Flugzeug anfängt, heftig zu rütteln.

Der Umstand, dass sich die aufgetürmten Schneeberge in den Vorgärten unter dem neuerlichen Druck langsam in Gletscher verwandeln, lässt mich aber nicht davon abhalten, folgendes zu schreiben:

FRÖHLICHE WEIHNACHTEN an alle! Santa Claus is coming! Verbringt ein paar schöne Momente mit Euren Familien und lasst Euch ordentlich durchfüttern... oder füttert durch! 

Bis demnächst,

Ronny


21.12.2008 ##### Caution

Ihr Lieben... !

Nun ist aber gut, also wirklich, es reicht erst mal wieder! Der Wettergott hat dafür gesorgt, dass ich hier in der letzten Woche so viel Schnee zu sehen bekommen habe, wie in den letzten drei Jahren in Leipzig zusammen. So richtig los ging es in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Da hier aber meistens nicht nur einfach Schnee fällt, sondern die ganze Sache immer mit richtig viel Wind garniert ist, konnte man am nächsten Tag in der Zeitung lesen: "Toronto hit by first snowstorm this winter!". Seitdem schneit es hier fast jeden Tag und aus dem heute-journal weiß ich, dass ganz Nordamerika ganz erheblich weiß ist. Zum Glück braucht man auf einige liebgewonnene Umstände aus der Heimat nicht verzichten. Zum Beispiel wird der Schnee vor den Häusern relativ schnell von den Anwohnern weggeschoben, so dass man dann Gelegenheit hat, den Rest des Tages auf der darunter befindlichen Eisplatte zu tanzen. Und der Räumdienst arbeitet hier genauso unauffällig wie daheim, man wird also in keinster Weise gestört. 

Ich hoffe, Ihr habt alle ordentlich den Weihnachtsmarkt besucht und einen Glühwein für mich mitgetrunken. Und meckert ja nicht rum, dass es so voll war und teuer und und und. Das alles ist besser als keinen Weihnachtsmarkt zu haben... so wie hier. Ja, ich vermisse das schon ein bißchen, die Buden, das Mittelalterflair hinterm alten Rathaus, den Geruch von Mandeln usw.. Kati hatte die Möglichkeit, hier ein paar Stände zu sehen, allerdings waren die nur Samstagabend geöffnet und für den Rest der Woche verschwunden. 

Am Mittwoch war es soweit: mein erstes NBA-Spiel (Nordamerikanische Basketball Liga) stand auf dem Programm! Nicht ohne Grund hatte ich die Partie Toronto Raptors (logisch) gegen Dallas Mavericks rausgesucht, schließlich wollte ich unser "German Wunderkind" Dirk Nowitzki in Aktion erleben. So ein Basketballspiel ist hier allerdings mehr ein (ich zitiere) "Sports- and Entertainment Event". In jeder noch so kleinen Pause (Auszeit, Viertelpause usw.)  rennen Cheerleader aufs Feld, haut das Maskottchen erst nach Trampolin und 3 Schrauben den Ball in den Korb und veranstaltet eine Moderatorin Minigewinnspiele mit Zuschauern in allen Ecken der Halle. Am besten hat mir folgendes Spiel gefallen: Ein Sitzblock wird dazu animiert, so laut und auffällig zu jubeln, wie möglich, während ein Scheinwerfer einen Lichtkegel auf die Massen wirft. Wer am meisten ausgeflippt, bei dem bleibt der Schwinwerfer stehen und man gewinnt z.B. 500 Dollar oder Karten für das nächste Spiel. Ich sage Euch, da gehen die absolut ab! Dass das Spiel schon seit 30 Sekunden weitergeht... wenn interessierts?! Die Fankultur ist eben eine ganz andere als in Europa, selbstinitiierte Gesänge oder große Banner von verschiedenen Fanclubs gibts es hier nicht. Die Leute müssen animiert werden und so gibt es eben immer nur das obligatorische "Defence" oder "Go Raptors". Und am Ende verlieren die Raptors und werden ausgebuht... Allerdings gibt es hier auch nicht irgendwelche Ultra-Bewegungen oder Hooligans oder sonstiges, was durchaus sehr entspannend ist!

Eine kleine Anekdote zum Kanadisch-Amerikanischen-Verhältnis, wobei ich natürlich nicht behaupten will, dass diese representativ ist. Mein Mitbewohner Mike und ich sitzen vor dem Fernseher und es läuft in einem US-Sender Werbung, in der aufgefordert wird, die amerikanischen Truppen zu unterstützen, weil die ja soviel Gutes tun ("They save our country", "They give their lifes to protect the US" blablabla). Am Ende wird zum Spenden aufgefordert (www.donateourtroops.com oder so ähnlich) und ich sage zu Mike: "Die fordern die Menschen auf, Geld für die Armee zu spenden? Aber die Armee wird doch auch in den USA vom Staat bezahlt?! Das heißt doch nichts anderes, als spendet der Regierung Geld!". Und Mike mit vielsagendem Blick: "Ronny, Amerikaner sind total blöd, ich hab´s Dir doch gesagt!". Und ich: "Und da spendet tatsächlich jemand?". "Oh, yes!". Stellt Euch vor, Günther Jauch würde verkünden, für jeden Kasten Krombacher gehen ab jetzt 3,- EUR an die Deutsche Bundeswehr. Oder Thomas Gottschalk macht neben der "Aktion Mensch" auch Werbung für die "Operation Bundeswehr"....

Auch "interkulturell" lerne ich hier einiges dazu. Letztens komme ich von der Mittagspause als ich einen von den Maurern sehe, wie er plötzlich auf die Knie sinkt, quasi nach vorne umkippt. Dazu hat der noch die Schuhe ausgezogen und der Helm liegt in der Ecke und ich denke schon an einen epileptischen Anfall und will fast losschreien: "Alder, was´n los? Is´ Dir schlecht?". Zum Glück machts noch rechtzeitig klick und ich interpretiere die Pappe, auf die er sinkt richtig als Gebetsteppich, der akkurat nach Mekka ausgerichtet ist. Noch mal Glück gehabt!

Ansonsten haben die Einheimischen hier eine absolute Leidenschaft für "CAUTION"-Schilder und "CAUTION"-Absperrband. Sobald auf Arbeit ein kleines Loch in den Boden gesägt wird, kommt "CAUTION"-Tape drum herum. Schaut Euch die Bilder von den Warnschildern in der Mall an! Da ist echt nichts gestellt. Man könnte durchaus den Eindruck gewinnen, dass beim Ausbruch des 3.Weltkrieges erstmal Schilder aufgestellt werden und an der Grenze Absperrband gezogen wird.  

So, fertig für heute!

Bis zum nächsten Mal!

Ronny



30.11.2008 ##### Ron

Ihr Lieben...!

Vielen Dank für Eure Emails und Nachrichten im StudiVZ... ja, ich bin eingetreten in den erlauchten Kreis, was bei einer Entfernung von ca. 6500km Leipzig-Toronto dann doch durchaus Sinn macht. Ich freue mich, dass ich jetzt endlich Freunde habe! :-)

Nach den ersten Wochen ist nun auch hier ein gewisser Alltag eingekehrt. Dennoch gibt es fast jeden Tag eine neue Anekdote zu erleben. 

Toronto ist an sich eine tolle Stadt, sieht man mal von den etwas wenigen Grünflächen und Parks ab, von Wald in der Stadt will ich mal gar nicht reden. Aber da sind wir Leipziger ja eh verwöhnt und in einer nordamerikanischen Millionenmetropole erwartet man das auch nicht. Dafür hat Kanada glaub ich an anderen Stellen sehr viel Grün zu bieten. Es sind so ziemlich alle Kulturen vertreten, alles ist sehr international und es gibt alternative Plätze a la Connewitz und Nobelviertel direkt nebeneinander. Man sieht sehr viele Radfahrer, was ich nicht erwartet hätte und was mich etwas neidig macht und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man überall gut hin, auch wenn es manchmal etwas länger dauert. Die Entfernungen sind eben größer.

Ich konnte endlich vom ausgebauten Keller in mein eigenes Zimmer umziehen, gehe fünfmal die Woche fleißig arbeiten und fahre langsam aber sicher meine sportlichen Aktivitäten wieder hoch. Leider ist der nächste Park relativ weit entfernt, um nach der Arbeit dort zu joggen, aber neben dem bereits beschriebenen Einkaufszentrum befindet sich ein Sportplatz mit 400m-Bahn und dort ist ein Loch im Zaun... Für alle Insider: Ich nenne ihn liebevoll "Charlottenhof" von Toronto! Eine Schwimmhalle befindet sich auch in der Nähe, so dass ich jetzt nur noch den Frühling und ein Fahrrad brauche. Spitze!

Nach dem ersten kurzen Stelldichein des Winters Mitte November hat der Herbst wieder das Kommando übernommen. Hier und da mal Sonne, ansonsten trist und trübe mit gelegentlichem Niesel-Schnee-Regen. Somit halten Europa und Nordamerika in diesem Fall gemeinsam Schritt.

Jetzt ist Helloween 4 Wochen her und langsam verschwinden oder verrotten die letzten Kürbise in den Vorgärten, da beginnt der nächste "Ich schmücke mein Haus noch mehr als mein Nachbar"-Wahnsinn. Schaut Euch mal die Fotos an, das ist Nordamerika live. Und ich dachte das gibt es bloß im Fernsehen!

Gelegentlich kann man hier auch das Gefühl bekommen, mit allem irgendwie Geld verdienen zu können. Letztens laufe ich mit Kati die Straße entlang und sie sagt: "Schau mal, hier stehen immer so süße Plüschhunde im Schaufenster!". "Ja, stimmt, die sind niedlich... was ist den das für ein Laden?... warte mal... eine Bäckerei?... nee, oder doch?.... DOG CAKE BAKERY!?!?". Eine Hundekuchenbäckerei! So richtig mit Auslage wie beim richtigen Bäcker, verschiedenen Sorten und alles frisch. Wie lange würde so ein Laden in LE überleben? 30 Sekunden? Oder besser gefragt, welche Bank würde dafür einen Startkredit gewähren?

Will man als Hund etwas anderes haben als den Standardfraß aus dem Supermarkt, so bleibt einem auch als Käsefan nur der Gang zum Spezialhändler. Leider ist die Auswahl im Wal-Mart-Kühlregal nicht wirklich so üppig. Schnittkäse gibt es vor allem in großen Blöcken, manchmal ziegelsteingroß, von Camembert haben die zwei einfache Sorten und ansonsten bleibt die Wahl zwischen 10 Sorten "Philadelphia". Ok, natürlich übertreibe ich ein bißchen! Es ist halt eine andere Esskultur. Dafür sind das Fleischregal und die Tiefkühlschränke doppelt so lang...

Eine andere, manchmal recht praktische, gastronomische "Kultur" sind die Kaffee Shops. Kaffee kann man hier an jeder Ecke und zu jeder Tageszeit kaufen. Überall gibts "Starbucks", "Second Cup", "Coffee Time", "Tim Hortens" usw.. Früh morgens hat fast jeder einen Pappbecher in der Hand und meine Kollegen haben mich schon gefragt, was mein bevorzugter "Coffee Shop" ist. "Mmmh, eigentlich keiner! Klar gibt es bei uns auch Kaffee zum Mitnehmen aber das hat eben nicht solche Ausmaße. Ich trinke eher zu Hause meinen Kaffee." Und wenn ich dann sage, dass es in meiner Heimatstadt (500 000 Einwohner) gerade mal 2x Starbucks gibt, die auch noch beide erst dieses Jahr eröffnet wurden, dann gibt es allgemeines Kopfschütteln. Aber dafür haben wir ja viele kleine Bäckereien!

Hier wird halt versucht, alles so bequem und einfach wie möglich zu gestalten. "Convenient" heißt das Zauberwort und somit gibts eben nicht nur überall Kaffee sondern die Straßenbahn hält aller 100m an einer Haltestelle, jeder noch so kleine Artikel wird in einen Beutel gepackt und Namen werden möglichst immer abgekürzt. Hat man nicht schon einen einsilbigen Namen dann bekommt man eben einen. Auf Arbeit wird aus Peter ein Pet, Jeffery ein Jef, Michael ein Mike, Christopher ein Chris. Und ratet mal wer ich bin! Ron! Einige werden ja wissen, wie ich es NICHT leiden kann, so genannt zu werden, aber hier: keine Chance! Nach dem fünften Mal "Hey, I am Ronny" hab ich es aufgegeben. Und sollte jetzt jemand auf die Idee kommen, mich demnächst so zu nennen, dem kündige ich sofort die (StudiVZ)-Freundschaft! Wagt es nicht! :-)

Wenn man sagt, man kommt aus Deutschland, wird oft nachgefragt, aus welchem Teil denn. Ein Kollege auf Arbeit entgegnete mir dann auf meine Antwort "Ostdeutschland": "Das ist dann dort, wo die ganzen Nazis leben!". Wie jetzt?!?! "Na nach dem Krieg sind doch die Amerikaner von Westen aus einmarschiert und haben das Pack nach Osten vertrieben, wo sie dann mit den Russen den Kommunismus gemacht haben! Das habe ich in der Schule gelernt" Autsch! Und nun erkläre mal 60 Jahre deutsche Geschichte vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und das auf englisch!!!  Naja, zumindest konnte ich ihn davon überzeugen, dass das mit den Nazis nicht ganz so abgelaufen ist....

Jetzt ist erstmal wieder Schluß!

Lasst es Euch gutgegehen. Ich freue mich auf Eure Nachrichten!

Tschau!
Ronny


09.11.2008 ##### Demolition

Ihr Lieben...!

erst einmal vielen Dank für Eure Kommentare und Emails! Das Einige von Euch sogar soweit gehen und sich bei MyScheiss anmelden verlangt meinen tiefsten Respekt! Eine Mail hätte es doch auch getan...

Ja, es geht mir immer noch gut. Ich habe mich in meinem neuen Heim gut eingelebt, auch wenn ich bis Ende Dezember im ausgebauten Keller wohne und erst dann in mein eigentliches Zimmer einziehen kann. Im Haus wohnen dann vier Männer (die letzte Frau zieht für mich aus...). Das Einkaufszentrum (so eine Art AlleeCenter) ist 30 Sekunden entfernt, zur U-Bahn brauche ich ca. 5 und zur Arbeit nur 25 Minuten... und zwar alles zu Fuss. 

Heute verbringe ich meinen ersten "original" kanadischen Abend mit meinem Mitbewohner Mike. Wir schauen American Football, nachher kommt Eishockey, wir haben diverse Sachen auf unserem "XXL-George Foreman"-Grill zubereitet und versuchen so schnell wie möglich betrunken zu werden. Ich werde immer wieder gefragt, wie denn das kanadische Bier im Vergleich zum deutschen Bier schmeckt und versuche diplomatische Antworten zu geben... naja, so schlecht ist die Hopfenschorle hier nun auch wieder nicht! Aber eben nicht so süffig-würzig...

Wie im letzten Blog angekündigt bin ich mit vollem Elan ins kanadische Arbeitsleben eingestiegen. Und zwar ganz unten... :-)! Nee, so schlimm ist es nun auch wieder nicht! Ich bin als "Construction Worker" auf dem Bau tätig. Wir "verwandeln" eine alte Fabrik, in der Gummi- und Plastikprodukte wie Fußbälle, Lacrosse-Bälle (Lacrosse ist der kanadische Nationalsport, so eine Art Hockey mit sackförmigen Schlägern) und Eishockey-Pucks hergestellt wurden in ein "Storage-Building", also eine Lagerhalle mit vielen kleinen Separees. Physische Herausforderung 90%, psyschisch 0%, der Rest ist Wille :-). Ich werde mal sehen, ob sich sich bald etwas besseres ergibt. Aber die Arbeit tut meinem Rücken (endlich nicht mehr nur rumsitzen) und meinem Konto gut! Die Bezahlung ist echt in Ordnung und diese Woche gab es den ersten Lohnschein! Meine Buddies ("Arbeitskollegen") heißen Jeff, Jim, Mark, Neil, BJay, Chris und sind alles urige Kanadier. Leider verstehe ich nur die Hälfte von dem, was sie erzählen. Langsam komme ich aber immer besser mit dem Slang klar und kann meine Sprachkenntnisse quasi an der Basis verbessern. Beispielsatz gefällig?: "Ey´man, its fuck´g summer o´what...i´m fucking afraid we´ll get fucking minus 10 degress´d fucking snow next fucking week, buddy!" Ah ja, ganz meine Meinung!

Womit wir beim Wetter wären... in Leipzig scheint ja echt der Herbst eingekehrt zu sein! Alle schreiben mir Geschichten über Nebel, Regen und deprimierender Stimmung. Keine Ahnung, von was ihr redet?! In der letzten Woche hatten wir hier "Indian Summer" pur, bestimmt 20 Grad in der Sonne und somit keinen Grund zu klagen. Aber wie oben bereits erwähnt kann es gut sein, dass wir nächste Woche Schnee und Minusgrade bekommen. Na mal sehen...

Falls ich dann nicht mehr arbeiten kann und mich langweile gehe ich einfach zum WalMart ins Einkaufszentrum. Dort lässt sich prima Zeit an der Kasse vertrödeln. Stehen dort zwei bis drei Kunden mit jeweils 5 Artikeln vor Dir hast Du schon 15 Minuten Wartezeit sicher. Die Kassiererinen sind aber sowas von trantütig (steht das im Duden?)... das grenzt schon an Vorsatz! Zwischendurch wird das Handy wegen sms gecheckt oder mit der Nachbarkasse über den neuesten Tupperware-Mist gequasselt. Und ich dachte, in Nordamerika wäre der "Customer Service" erfunden worden! Nix da, gegen die Tanten an der Kasse hier sind die Ladies beim Lidl in der Merseburger Straße (das ist in Leipzig-Lindenau!) die reinsten Kassiermaschinen!!! Mit deren Speed wären sowohl die kanadischen Kassiererinen als auch die Kunden völlig überfordert. Und wenn man dann noch sagt: "Nein, bitte packen Sie nicht jeden dritten Artikel in eine weitere Plastiktüte!" kannst Du auf deren Stirn folgendes erkennen..."????"....

Und nun gibt es noch was für alle Freunde von gepflegter Rock´n´Roll-Musik der härteren Gangart (alle anderen können natürlich trotzdem weiterlesen!).
Seit ihr auch alle fleißig bei In Flames gewesen... also eigentlich bei Gojira? Die haben nämlich am vergangenen Freitag hier gespielt ... and it was awesome! Die Kanadier sind echt abgegangen wie Schmidts Katze, vor der Bühne ein gepflegter Moshpit ab dem ersten Takt und das alles in einer Location so groß wie das Haus Auensee! Überall hängen Beamer, so dass man auch in der letzen Reihe das Konzert auf einer 3x3m großen Leinwand erleben kann, dazu in verschiedenen Kameraperspektiven! Am gleichen Abend haben übrigens auch AC/DC gespielt, aber es war trotzdem pickepacke voll und die Stimmung absolut spitze! 

An bestimmte Dinge werde ich mich als Europäer, ähnlich wie in Australien, auch hier nicht gewöhnen können. Am Einlaß gibts für alle, die Alkohol trinken wollen erstmal Passkontrolle (nein, ich will dich nicht verarschen.... nein, bin kein Kanadier... ja, bin 1979 geboren... ja, wie ich schon sagte, das ist ein DEUTSCHER PASS!!!!!! Danke, Buddy!!!) und dann ein Bändchen. Endlich an der Bar angekommen kostete mich das blöde 0,35 l Stella Artois 6,50 Dollar, das sind 4,30 EUR!!!! Dummerweise hatte der Barkeeper die (für mich erste und letzte) Dose des Abends schon geöffnet. Also gut, dann ab zur Bühne.... "STOP...No drinks behind this line!" ermahnte mich der freundliche aber bestimmende 2 Meter Security-Mann... Öh, aber das sind noch 50 Meter bis zur Bühne?.... So schnell habe ich noch nie 4,30 EUR ausgetrunken! Fazit: Trinken... no way, Location... prima, Merch-Preise... wie in Europa, Gojira... eine Wand, In Flames... gewohnt routiniert auf ganz hohem Niveau, restliche Bands... auch ganz gut! Demnächst werde ich dann mal nach einer geeigneten Lokalität Ausschau halten, um einige elektronische Musikanten zu sehen/zu hören und eventuel das Tanzbein zu schwingen.

Das war es erstmal!

Wie immer gibts auch neue Fotos!

Tschau
Ronny


28.10.2008 ##### Canadiana

Ihr Lieben...!

Das es mit dem zweiten Blog-Eintrag so langen dauern würde hätte ich selber nicht gedacht. Statt einer Woche habe ich nun über eineinhalb benötigt, um eine ansprechende Unterkunft zu finden. Und erst dann wollte ich etwas Neues von mir hören lassen. 

Canadiana... das ist der Name des Hostels in dem ich die Zeit seit der Ankunft verbracht habe, von dem aus ich meine Zimmersuche-Odyssee leitete und mit dem ich nun viele schöne, komische und abstruse Erinnerungen verbinden werde. Die erste Woche verbrachte ich in diversen 4-Bett-Zimmern und der erste Zimmergenosse, dem ich gleich nach der Ankunft begegnete hies oder besser heißt Ben. Genauer gesagt Benton McIrgendwas aus Nova Scotia, einer am Atlantik gelegenen Provinz. Ben ist aber kein cooler, kanadischer Mitzwanziger sondern ca. 43 Jahre, Krebspatient und meiner Meinung nach Alkoholiker. Ein Typ, der zwar total freundlich und nett ist, aber so richtig viel redet und von dem man schon am ersten Abend die gesamte Lebensgeschichte erfährt. Ob man nach einem 8h-Flug und ca. 40h auf den Beinen will oder nicht! Tagsüber hatte er in diversen Torontoer Kliniken Behandlungen und abends gab er sich mit Wodka-Orangensaft den Rest, um die Schmerzen zu betäuben. Auf die Frage, warum er denn nicht die verschriebenen Schmerzmittel nimmt, meinte er, dass man davon abhängig wird.... Irgenwie liegen Tragik und Komik näher beieinander, als man denkt.

An Durchschlafen war im Hostel eh nicht zu denken. Die erste Nacht verbrachte ich also in einem 4-Mann-Zimmer (ca. 10m², 2 Doppelstock-Betten) zusammen mit Benton, einem scheinbar stummen 60jährigen (Hallo, YOUTH-Hostel!!!) aus Michigan (ich nannte ihn Heinz), einem farbigen Muskeltyp aus Bosnien und seiner blonden Freundin aus Schweden (beide leben schon länger im Hostel, und beide waren trotz anfänglicher Zweifel doch ganz nett). Nochmal kurz zählen, ja, 4 Mann, 1 Frau auf auf 10m²! Gute Nacht! 

Nach diversen Mitbewohner-Rotationen in der ersten Woche schoß Benton dann irgendwan den Vogel ab, indem er mal wieder sturzbesoffen gegen 2am ins Zimmer flog und sich gegen 3am in der Zimmerecke seines Urins entledigte. Am nächsten Tag musste ich glücklicherweise das Zimmer wechseln. Nach weiteren 2 Umzügen wollte ich mich schon in eine Verfolgungswahn-Therapie einweisen lassen... entweder Benton war schon da oder folgte einen Tag später. An Durchschlafen war auch deshalb nicht zu denken, weil nachts alle 30 Minuten einer kommt (von einer Party, von Arbeit etc.), einer geht (zur Party, zur Arbeit etc.), einer aufs Klo rammelt (oder ins Zimmer macht) oder Benton im Schlaf rumschreit.

Sorry, muss mal kurz was anderes schreiben. Ich sitze grad Downtown in irgendeinem Starbucks, draußen hält im dichten Verkehr eine Straßenbahn und was macht der Fahrer? Er steigt aus, kommt ins Starbucks und bestellt erstmal Kaffee. Ihr solltet die Gesichter der Leute in der Bahn sehen. Einer will glaub ich aussteigen, aber alle Türen sind zu und er schaut dem Fahrer ungläubig hinterher. Ich lach mich schlapp!

Nun aber weiter im Text. Tja, über die Zimmersuche kann  ich auch einige Anekdoten berichten. Zimmer gibts an sich genug, man muss nur das Richtige finden und hat so ziemlich alles zur Auswahl. Von teuer und luxuriös bis hin zu teuer und beschissen! Leute, ich habe Löcher gesehen, dagegen ist der WUK das reinste Hilton-Hotel! Irgendwelche Kellerkammern, stickig und gammlig, oder Hinterzimmer bei komischen Asiaten mit Tapete von 1973. Und bei den Zimmern, die wirklich ein ansprechendes Preis-Leistungsverhältnis haben, gibt es meist ca. 10 Bewerber. Klar, dass man als Vermieter das Zimmer dann lieber an eine zierliche japanische Studentin vergibt, als an ein 1,90m großes, kahlgeschorenes, deutsches Narbengesicht. Schließlich werden die Putzarbeiten in Küche und Bad von den Mietern durchgeführt, es soll ja alles sauber und ordentlich bleiben und Bier-Partys eh sind streng verboten. Und dabei hatte ich zur Besichtigung immer extra einen schönen Pullover angezogen. 

Virtuell war ich letztes Wochenende sogar obdachlos, nachdem ich nämlich zunächst bei einem Zimmer zugesagt hatte, die blöde Vermieterin aber am nächsten Tag nichts mehr von dieser Zusage wissen wollte. Und ich hatte natürlich keine weitere Nacht im Hostel gebucht, weil ich angeblich sofort hätte einziehen können Das Hostel war ausgebucht und ich am Arsch...zum Glück gab es dann wohl Stornierungen und ab gings in ein 8-Bett-Schlafraum, in dem schon Benton auf micht wartete.

Ansonsten ist das Canadiana-Hostel absolut empfehlenswert, sauber und seriös geführt. Kostenloses W-LAN tut sein übriges. Und natürlich kann man viele tolle Leute aus allen Ecken der Welt kennenlernen. Der Pub ist gleich um die Ecke, so dass man es zum Feiern nicht weit hat. Abends kann man im großen Aufenthaltsraum rumhängen, es ist immer was los und doch ist es ruhig und gemütlich zugleich. Aber irgendwann braucht man eben auch mal einen Raum allein für sich, Privatsphäre eben, und vor allem durschschlafende Nächte.

Das war es dann erstmal von mir. Eventuell werde ich diese Woche schon arbeiten können...dann gibts bald neue Infos!

Schaut auch mal bei den Fotos vorbei!

Ich hoffe, bei Euch Lesern ist alles in Ordnung?! Lasst mal was von Euch hören!


Ronny


16.10.2008 ##### Toronto

Ihr Lieben...!

Hiermit also die erste echte Nachricht aus Kanada! Toronto hat uns sonnig und mild empfangen, es hat alles geklappt, wenn auch nicht ganz reibungslos. Zunächst wurde Katis eigentlicher Flug von Leipzig nach Frankfurt gestrichen, dann hatte die Ersatzmaschine Verspätung. Zudem hob dann noch die Maschine nach Kanada 30 Minuten später ab. Nach ca. 8h Stunden Flug sind wir dann aber schließlich gut gelandet. 

Bevor es aber richtig in Kanada losgeht möchte ich doch noch einmal ein Großes Dankeschön für die vielen lieben Glückwünsche und Reiseutensilien loswerden! Die Abschiedsparty war sehr schön und als ich am nächsten Tag die Räume gewischt habe, hatte ich nicht nur einen schweren Kopf sondern auch ein bißchen ein schweres Herz. Ihr bedeutet mir alle sehr viel, dass wird einem in Momenten wie diesen nochmal sehr bewusst. 

Das Anathema-Konzert war fantastisch, die Jungs waren gut drauf und hatten sichtlich viel Spaß. Passenderweise war der 2. oder 3.Song gleich "Far away" vom Eternity-Album. Das passte also perfekt zum Abschied. Keine Ahnung, ob ich das live schonmal gehört habe. Und ja Gax, "Angelika" war auch da! Sie kam irgendwann am Ende und hat uns allen gewunken. :-)

Nach einigen sehr romatischen Stunden im McDonalds im Bochumer fuhr dann der Nacht-Zug nach Frankfurt, der Rest steht oben.

Bis zum nächsten Lagebericht.

Ronny